Offener Brief an Herrn Landrat Stephan Pusch (Leiter des Krisenstabs)
Offener Brief an Herrn Landrat Stephan Pusch (Leiter des Krisenstabs)
Betreff: Klärung des Vorgehens und der Genehmigungsprozesse im Fall der Ablagerungen in Tüddern/Millen
Sehr geehrter Herr Landrat Pusch,
als Mitglieder des Gemeinderates im Selfkant und als Sachkundiger Bürger wenden wir uns mit diesem offenen Schreiben an Sie, um dringende Fragen zu klären, die sich im Zusammenhang mit den Vorfällen an der Lagerstelle zwischen Tüddern und Millen ergeben haben. Bereits Ende 2024 wurde in einer Gemeinderatssitzung ein Hinweis auf ungewöhnliche Ablagerungen an der betreffenden Stelle diskutiert. Trotzdem wurden im Anschluss sowohl eine vorläufige als auch eine endgültige Genehmigung durch die Behörden des Kreises erteilt. Vor diesem Hintergrund stellen sich für uns und die betroffene Bevölkerung folgende, bislang unbeantwortete Fragen und Forderungen:
Genehmigungsprozess und frühere Hinweise:
Warum wurden die Vorab- und Endgenehmigungen für die Ablagerungen erteilt, obwohl in einer Sitzung des Gemeinderates bereits kritische Hinweise (Ende 2024) auf untypisch gelagerte Materialien – offensichtlich nicht als Mutterboden einzuordnen – geäußert wurden?
Welche internen und externen Prüfungen oder Entscheidungsgrundlagen haben zu der letztendlichen Genehmigung geführt?
Durchgeführte Vor-Ort-Termine und fehlende Probenahmen:
In ihrem Video wurde erwähnt, dass es mehrfache Vor-Ort-Termine durch den Kreis gab, bevor die Genehmigung erteilt wurde. Warum wurden in diesen Terminen keine Bodenproben entnommen, um die Beschaffenheit des gelagerten Materials genauer zu prüfen? Jeder Laie konnte zu diesem Zeitpunkt schon sehen, dass das dort gelagerte Material kein Mutterboden war.
Grundwasserverhältnisse und Tiefenlagerung:
Es wurde berichtet, dass das Grundwasser in einer Tiefe von etwa 10 m unter der Lagerstelle liegt. Allerdings erfolgte vor der Ablagerung ein Aushub von ca. 3 m, sodass das Grundwasser vermutlich bereits ab ca. 7 m unterhalb der Halde beginnen könnte.
Wie wird diese Diskrepanz in der Bewertung der Umweltrisiken und möglichen Kontaminationsgefahren berücksichtigt? Welche Maßnahmen wurden bzw. werden ergriffen, um diese Unstimmigkeiten aufzuklären?
Zeitliche Verzögerungen und Reaktionsfristen:
Weshalb hat es nach den ersten Hinweisen Ende 2024 bis zum 24.03.25 gedauert, bis der Kreis aktiv wurde und nennenswerte Maßnahmen ergriffen wurden?
Ist eine Neubewertung der internen Abläufe geplant, um solche Verzögerungen in Zukunft zu vermeiden?
Risikoabschätzung für die Bevölkerung und Umwelt:
Wie hoch ist nach Ihrer Einschätzung die konkrete Gefahr für die Menschen in Tüddern und Millen, angesichts der Tatsache, dass das betroffene Grundwasser u. a. zur Bewässerung von Gemüsegärten und als Tränkwasser für Tiere landwirtschaftlicher Betriebe genutzt wird?
Gibt es bereits Erkenntnisse oder Hinweise auf eine Verunreinigung des Grundwassers?
In welchen zeitlichen Abständen und durch welche Maßnahmen wird in Zukunft eine regelmäßige Untersuchung des Grundwassers in den betroffenen Brunnen in der Umgebung (Tüddern und Millen) sichergestellt?
Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahr:
Wann wird die angeordnete Abdeckung der Erdhalde, welche bereits am 08.04.25 angeordnet wurde, endlich umgesetzt?
Welche weiteren Maßnahmen sind geplant, um – trotz des bereits festgestellten Tatortcharakters – die Umwelt und das Trinkwasser nachhaltig zu schützen?
Unsere Forderung an Sie: Wir fordern, dass all diese Fragen so bald wie möglich in einer öffentlichen Bürgerversammlung beantwortet werden. Es ist uns ein dringliches Anliegen, dass auch betroffene Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeinden Selfkant, die Möglichkeit erhalten, ihre weiteren Fragen und Bedenken direkt an die verantwortlichen Stellen zu richten. Nur so kann das Vertrauen in die kommunale Verwaltung und der Schutz von Umwelt sowie Gesundheit gewährleistet werden.
Wir danken Ihnen im Voraus für Ihre zeitnahe Rückmeldung und die Transparenz im Aufarbeitungsprozess dieses schwerwiegenden Falls.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Osman Djajadisastra, Erich Hacken, Alwin Schmitz und Heinz Walther
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