Hospizbegleiterin Anni Freund verschenkt Zeit und menschliche Nähe.

Hospizbegleiterin Anni Freund verschenkt Zeit und menschliche Nähe.

Uwe Huchel | | 4 Min. Lesezeit

Geilenkirchen. Im ambulanten Hospizverein Camino e.V. engagieren sich fast 60 ehrenamtlich tätige Mitglieder in der Begleitung sterbender Menschen, oder in der Begleitung trauernder Angehöriger. Anni Freund ist seit 3 Jahren ehrenamtlich tätig und wurde stellvertretend für die ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen von Camino interviewt:

Fr. Freund, wie haben Sie zur diesem doch eher ungewöhnlichen Ehrenamt gefunden?

Freund: Mit Eintritt in die Rente hatte ich im Alltag plötzlich Zeit und Muße. Im ersten Jahr habe ich das in vollen Zügen genossen. Nach diesem ersten Jahr hatte ich irgendwann das Gefühl, dass ich noch etwas tun möchte und habe mich auf die Suche nach einer sinnvollen, erfüllenden Beschäftigung gemacht. Ich wünschte mir ein Ehrenamt, bei dem ich mit Menschen zu tun habe. Durch eine Freundin hörte ich zu dieser Zeit über das Engagement der Hospizbegleiter vom Ambulanten Hospizdienst Camino. Ich besuchte einen Informationsabend über die Ausbildung zur Hospizbegleiterin und meldete mich zur Teilnahme an. Der Kurs dauerte 7 Monate. Ich habe hier tolle Menschen kennen und schätzen gelernt. Das war im Jahr 2020. Seit dieser Zeit begleite ich Menschen, deren Lebenszeit durch schwere Krankheit verkürzt ist.

Wie regiert Ihr persönliches Umfeld auf Ihr hospizliches Engagement und was macht Ihnen an diesem Ehrenamt Freude?

Freund: Viele meiner Freunde fragen mich „Warum machst du das? Ist Sterbebegleitung nicht furchtbar belastend? Warum beschäftigst du dich nicht mit den schönen Dingen im Leben?“. Ich erkläre dann gerne wie viele wertvolle und lebendige Momente ich in der Begleitung von Menschen am Lebensende erfahre. Ich nehme die Gedanken, Sorgen und Wünsche der Begleiteten ernst und höre aufmerksam zu, wenn er oder sie erzählt. Ich ermögliche die Erfüllung kleinerer Wünsche, spende Trost, oder schweige und lindere die Einsamkeit, wenn ich spüre, dass Schweigen gewünscht ist. Häufig erleben die Begleiteten in Gedanken ihr gelebtes Leben noch einmal und lassen mich daran teilhaben. Wir lachen gemeinsam oder sind gemeinsam traurig. Oft vertrauen die betroffenen Menschen mir an, was für sie im Leben wichtig ist. Ich weite meinen Blick auf das Leben und wie nebenbei lerne ich mich selber besser kennen und auf mich achten. In den Monaten der Ausbildung zur Hospizbegleiterin spürte ich sehr bald, wie gut es mir selber tut, Menschen Aufmerksamkeit und gute Lebensmomente zu schenken. Es macht mich einfach froh. Ich fühle mich ganz oft selber beschenkt. Deshalb bin ich bis heute gerne ehrenamtlich als Hospizbegleiterin tätig.

Gibt es noch weitere Betätigungsfelder für Hospizbegleiter?

Freund: Ja, auf jeden Fall. Einige Hospizbegleiter haben zusätzlich eine Weiterbildung in Begleitung trauernder Menschen. Sie bieten Trauernden Einzelgespräche, oder die Möglichkeit sich im Trauercafé, beim -spaziergang oder bei einer -wanderung zu treffen und auszutauschen. Einmal im Jahr leiten einige Ehrenamtlerinnen einen Trauergesprächskreis. Dann trifft sich eine feste Gruppe Teilnehmer einmal wöchentlich, über einen Zeitraum von 6 Wochen. Sie arbeiten an ihrer Trauer und gehen ihren Trauerweg über diese Zeit gemeinsam.

Neben meiner ehrenamtlichen Arbeit als Hospizbegleiterin bin ich selber auch im Projekt „Hospiz macht Schule“ engagiert. Einige Kolleginnen und ich durften in diesem Jahr erstmalig eine Projektwoche an einer Grundschule der Region durchführen und mit Schüler/innen einer 4. Klasse über die Themen Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, Vom Traurig sein und Trost und Trösten sprechen. Wir haben den Kindern Impulse gegeben, zugehört und ganzheitlich, spielerisch mit ihnen gearbeitet. Wir wollen die Kinder fürs Leben stark machen, denn all diese schwierigen Themen gehören zu unserem alltäglichen Leben.

Was würden Sie anderen Menschen mitteilen wollen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten?

Freund: Ich möchte den Menschen Mut machen. Hospizliche Begleitung und auch Trauerbegleitung haben ganz viel mit Leben und Erleben zu tun, mit dem Teilen von Gefühlen, mit Nähe und Vertrauen. Hospizliche Arbeit ist ein Gewinn für begleitete und für ehrenamtlich tätige Menschen gleichermaßen!

Auch für das Jahr 2024 ist die Befähigung neuer Hospizbegleiter/innen geplant.

Anmeldungen und nähere Infos erhalten Sie beim Ambulanten Hospizvereins Camino e.V. Geilenkirchen unter der Tel. 02451/62095900 oder unter www.camino-hospiz.de

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