Zusammenhalt

Bei den einen herrscht Stillstand, bei den anderen ist die Arbeitsbelastung seit mehr als einem Jahr extrem: Die Heinrichs Gruppe stellt neue Mitarbeiter ein, und zwar die, die momentan ihren Beruf aufgrund von Corona nicht ausüben dürfen. Eine von ihnen ist Laura Jansen, selbstständige Friseurin aus Kirchhoven.

​Heinsberg. Seit Wochen steht Laura Jansen mit einem schlechten Gefühl auf. Ihre Gedanken kreisen um die Frage: Wie soll es weiter gehen? Die 28-Jährige ist selbstständige Friseurmeisterin aus Kirchhoven. Mit ihrem mobilen Salon „lockenliebe“ ist sie zu ihren Kunden nach Hause gefahren, war bei Shootings gebucht und hat Bräute für ihren großen Tag gestylt – dann kam Corona und führte in ganzen Branchen zu einem noch immer andauernden Stillstand. So auch bei Laura Jansen.

Doch seit einigen Tagen hat sie wieder einen Job. Als geringfügig Beschäftigte arbeitet sie nun im Seniorenzentrum Heinsberg und unterstützt hier bei Flächendesinfektionen und bei der Mahlzeitbegleitung der Senioren. „An meinem ersten Tag habe ich mich ein bisschen gefühlt wie eine Praktikantin“, sagt sie lachend. „Aber ich bin tatsächlich sehr froh, dass ich hier bin und es macht mir richtig Spaß.“ Morgens aufzustehen und zu wissen, dass man in seinem Beruf im Moment nicht gebraucht wird – das hat ihr in den vergangenen Wochen zu schaffen gemacht. Hinzu kommt, dass es für sie nicht nur ein Job ist: „Schon als Kind wusste ich, dass ich Friseurin werden möchte. Für mich gab und gibt es nur diesen einen Beruf.“ Und so hat sie sich entschlossen, dafür zu kämpfen, dass der Traum der Selbstständigkeit irgendwann weiter gehen kann.

Die Idee, Mitarbeiter zu akquirieren, die aufgrund des Lockdowns momentan arbeitslos sind wie Friseure oder Restaurantbetreiber, hatte die Geschäftsführung der
Heinrichs Gruppe. „Wir leiden alle unter der aktuellen Situation, jeder auf seine Weise. Unsere Mitarbeiter sind seit mehr als einem Jahr täglich unter Corona-
Bedingungen im Einsatz und kommen an ihre Grenzen. Seit den Nachrichten über die neuen Mutationen des Virus ist es für uns noch wichtiger als zuvor, Flächen in unseren Einrichtungen zu desinfizieren, um das Risiko einer Infektion zu minimieren“, erläutert Geschäftsführerin Karin Heinrichs. Damit das bestehende Personal entlastet wird, wurde entschieden, auf Menschen zuzugehen, die momentan keiner Beschäftigung nachgehen dürfen – als Win-Win-Situation für alle. Und auch als Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts. „Wir alle möchten nach dem Lockdown wieder zu unserem Friseur oder wieder in unser Lieblingsrestaurant gehen können. Wenn wir nur einen kleinen Teil der Menschen mit der Anstellung bei uns vor der Aufgabe ihres Betriebs bewahren können, haben wir viel erreicht“, erzählt Karin Heinrichs weiter. Neben dem Seniorenzentrum Heinsberg sind auch in anderen Einrichtungen Mitarbeiter eingestellt worden, die ein ähnliches Schicksal teilen wie Laura Jansen.

Die 28-Jährige indes rechnet nicht damit, dass sie Mitte Februar wieder mit ihrer „lockenliebe“ unterwegs sein wird. Aber sie ist froh, nun erstmal einen Job gefunden zu haben. „Was mir sicherlich zugutekommt: Als Friseurin bin ich es gewohnt, mir Namen merken zu müssen. Über die persönliche Ansprache freuen sich die Senioren natürlich.“ Und für sie ist es einfach gutes Gefühl, morgens aufzustehen uns zu wissen, gebraucht zu werden.


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