Schwalbenfreundliches Haus in Gangelt

 

Man braucht eigentlich nicht viel zu tun, um Schwalben anzusiedeln, oder etwa doch??

Tja, hier liegt nämlich das Problem. In unserer aufgeräumten und immer mehr versiegelten und mit Steinvorgärten versehenen Grundstücken und Wohnhäusern, in der Landwirtschaft umgepflügte Blühstreifen… Wo bitte sind die tollen Klatschmohne, die Kornblumen, die Kamille, Schafgarbe…, die typischen einheimischen Heckenpflanzen (z.B. Weißdorn, Schlehe, Pfaffenhütchen, Hasel, Hartriegel…). Wo sind noch unbefestigte Wege, in denen Pfützen zu finden sind und damit Schlamm, bzw. Lehm. All das wird immer seltener. Und genau das brauchen unsere einheimischen Schwalben (Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, außer dem Matsch auch unsere Uferschwalbe).

Doch fressen Schwalben doch gar keine Blumen geschweige denn Heckenpflanzen. Nein, ganz bestimmt nicht. Aber genau hier fängt das Übel an. Schwalben benötigen zum Leben und zur Aufzucht ihrer Jungen Eiweiß. Dieses finden sie in ihrer Nahrung, nämlich Insekten. Natürlich sind fast alle einheimischen Brutvögel von dieser Misere betroffen. Doch viele, ganz viele Insekten brauchen blühende Pflanzen, um ihre Aufzucht groß zu kriegen. Aber wo keine blühenden einheimischen Blumen, Bäume und Hecken, da auch wenig Insekten. Viele Insekten wiederum leben räuberisch (Libellen, Wespen…) sie sind auf die Blüten angewiesenden Insekten abhängig. Was folgt. Wenig Insekten, die auf blühende Pflanzen angewiesen sind, wenig Insekten, die auf andere Insekten angewiesen sind… Und nun? Tja, und nun finden die Singvögel, Fledrmäuse und co zu wenig Nahrung, um ihre Jungen zu versorgen. Nach dem Insektensterben, hervorgerufen durch den Menschen folgt nun das Vogelsterben. Und irgendwann, ??????? Wer befruchtet noch die Nahrung für unsere Feldfrüchte?     

Jetzt aber zurück zum Schwalbenfreundlichen Haus.

Im Neubaugebiet Gangelt Nord hat sich Frau Honings ein Haus aufgebaut. Sie und ihre Kinder ist glücklich und froh, dass sich hier in diesem Jahr bereits 10 Mehlschwalben ihre Nester gebaut haben. Möglich wurde dies 1. Dadaurch, dass Frau Honings naturbegeistert wie sie nunmal ist (toll) sich über jedes weitere Nest freute. Den Kot, den die Jungtiere hinterlassen wird durch Kotbretter aufgefangen, der nach der Brutsaison gereinigt wird. Die schwalben haben in der Nähe einen noch unbefestigten Feldweg, in dem fast ganzjährig Wasser in Pfützen steht. Hier holen sich die Schwalben ihr Baumaterial. Im Vorgarten blühen Blumen. Auch in der Nachbarschaft sind Blumen anzutreffen. Gegenüber ihrer Wohnung liegt eine Streuobstwiese, die jede Menge Blüten für zahlreiche blütenbestäubende Insekten bereithält.

Und das Beste: Frau Honings freut sich riesig auf jede neue Schwalbe, die sich ihr Haus als Brutplatz auserkoren hat.

Der NABU-NRW sowie der NABU-Selfkant zeichnet dieses Haus und dieses Engagement mit der Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ aus.

Vielen lieben Dank.

Es wäre super, wenn sich weitere Mitbürger mehr Gedanken um die Geschehnisse rund um unsere einheimische Natur machen würden.     

 

TH